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Bregenz, Aberglaube spielt immer eine Nebenrolle

Verantwortlicher Autor: Bregenzer Festspiele Barbara Hingsamer Bregenz, 03.08.2018, 20:21 Uhr
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Aberglaube spielt immer eine Nebenrolle
Aberglaube spielt immer eine Nebenrolle  Bild: Pressefoyer Bregenzer Festspiele

Bregenz [ENA] Von zwei Bananen und anderen seltsamen Theaterbräuchen Die Frage, wie die Künstler bei Carmen eigentlich ihre Auftrittspausen verbringen, führt unweigerlich auf das weite Feld des Mystizismus. Das Theater ist grundsätzlich ein abergläubischer Betrieb.

Denn Aufführungen sind immer live und da möchte man, trotz gründlicher Vorbereitung, das Glück – und die angeblich existierenden Theatergeister – auf seiner Seite haben. Eine Tee- und Suppenküche auf der Hinterbühne sorgt für die leibliche Stärkung während der Pausen. Soweit zum Profanen. Darüber hinaus hat jeder Künstler sein eigenes Ritual, das er braucht. Claudia Raab bekommt das unmittelbar mit. Sie arbeitet seit 24 Jahren bei den Bregenzer Festspielen und leitet die Kostümabteilung. „Es gibt die unterschiedlichsten Varianten. Manche Darsteller wollen ihre absolute Ruhe oder lesen ein Buch, andere singen sich hundert Mal ein.“ Eine der Sängerinnen beispielsweise verzehrt in ihrer Pause stets exakt zwei Bananen.

Talismane im Theater

Eine große Rolle, gerade am Theater, spielen Talismane. „Die Künstler lassen sie von uns in die Tasche einnähen“, erklärt Claudia Raab. „oder es ist ein Ring, den sie nicht abnehmen wollen. Wir überkleben ihn dann mit Leukoplast, damit man ihn nicht sieht“. Die meisten Talismane verbergen Künstler allerdings ohnehin vor anderen, um den eigenen Aberglauben nicht zu gefährden. „Pausen sind eine große Gefahr, mental auszusteigen“, weiß Operndirektorin Susanne Schmidt. Der Umgang ist auch eine Frage des Typs, der Kultur oder Religion. Manche Künstler bekreuzigten sich, bevor sie vors Publikum auf die Bühne treten. Für andere Künstler seien oft ihre mitgebrachten Ikonen in der Garderobe unverzichtbar, um sich in einer Pause zu sammeln.

Do’s and Dont’s hinter den Kulissen

Über solche individuellen Eigentümlichkeiten hinaus gibt es eine Reihe von Ritualen und Geboten, die sich quer durch alle Bühnen halten. Dabei spielen verschiedene Aspekte zusammen: Volksglaube aus früheren Zeiten, Eitelkeit, aber auch Sicherheit. Hier eine kleine Auswahl an Do’s and Dont’s hinter den Kulissen, zusammengetragen von verschiedenen Theatern und aus Berichten von Schauspielerinnen und Schauspielern.

Pfeifen verboten!

Das war einst von praktischer Bedeutung. Als Theater noch mit Gasleuchten ausgestattet wurden, wies der pfeifende Ton darauf hin, dass Sauerstoffmangel herrschte. Eine andere Erklärung wiederum ist, dass sich früher die Bühnentechniker per Pfiff verständigten. Gerade im norddeutschen Raum waren viele Mitarbeiter ehemalige Seeleute, die das gewohnt waren. Wenn also ein Schauspieler pfiff, konnte es passieren, dass damit ein bestimmtes Kommando ausgelöst und unversehens ein Bühnenteil herabgesenkt wurde.

Essen verboten

Du sollst auf der Bühne nicht essen und trinken, nur wenn es das Stück verlangt. Auch eine Stärkung vor der Vorstellung darf man nicht im Kostüm zu sich nehmen. Womöglich hat diesen Aberglauben eine kluge Kostümbildnerin in die Theaterwelt gesetzt, um die Kostüme vor Flecken zu bewahren. • Toi Toi Toi! Am Theater wünscht man sich niemals „Viel Glück“ vor einer Aufführung, denn das bringt angeblich genau das Gegenteil.

Stattdessen spuckt man drei Mal über die linke – manche anscheinend auch über die rechte – Schulter oder man sagt „Toi Toi Toi“. Dieses ursprünglich norddeutsche „Teufel Teufel Teufel“ beruht auf einem Gegenzauber gegen den Neid böser Geister. Auch den Zeitpunkt des „Toi Toi Toi“-Wunsches darf nicht dem Zufall überlassen werden. Glück bringt es bei Schauspielern nur dann, wenn sie schon das Kostüm für die Vorstellung tragen. • Niemals „Danke“ sagen Umgekehrt soll man sich nicht dafür bedanken. Die richtige Antwort auf die Glückwünsche ist „Hals- und Beinbruch“ oder „Wird schon schiefgehen“.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Echte Blumen und Spiegel auf der Bühne zu haben, bringt Unglück. Eine praktische Erklärung für diesen Glaubenssatz ist: Scheinwerferlicht lässt Blumen schnell welken, und Licht reflektiert im Spiegel womöglich in den Zuschauerraum. • Die Generalprobe, Teil 1 Eine Generalprobe mit Fehlern verheißt eine gute Premiere. Diese „Theaterweisheit“ lässt sich vor allem psychologisch deuten. Wenn die Generalprobe fehlerfrei verlaufen ist, besteht die Gefahr, dass sich bei den Beteiligten Selbstsicherheit und ein Gefühl der Routine einstellen und die Konzentration leidet.

Die Generalprobe, Teil 2

Unglück bringt es angeblich, den letzten Satz des Stückes bei der Generalprobe auszusprechen. Einige Schauspieler verzichten deshalb darauf. Außerdem darf nach der Generalprobe nicht geklatscht werden! Und vor einer Vorstellung darf man nicht durch den Vorhang spähen! Auch das bringe Unglück. • The Scottish Play Nenne niemals ein Stück beim Namen, in dem die Hexen Verwünschungen aussprechen! In England wird deshalb auf einer Bühne, die „Macbeth“ spielt, nur von „The Scottish Play“ gesprochen. Andernfalls hat man sich im Lande Shakespeares als echter Theaterbanause geoutet. Wenn man den Titel doch einmal hören sollte, hilft nur, sich dreimal linksherum um die eigene Achse zu drehen und anschließend dreimal auf Holz zu klopfen.

Wenn ein Gebot gebrochen wurde und die Theatergeister wieder umgestimmt werden sollen, hilft einem weiteren Aberglauben zufolge nur, dass man aus dem Theater geht, dreimal um das Haus läuft, danach an die Tür des Theaters klopft und darum bittet, wieder eingelassen zu werden. Was auf der Bregenzer Seebühne nicht ganz einfach wäre. www.bregenzerfestspiele.com/ www.leonardwuest.ch Für Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie diewww.innerschweizonline.ch Für Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet besuchen Sie die www.bochumer-zeitung.com

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