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ZKO, Silvesterkonzert 2019 mit V. Kasarova und R. Galliano

Verantwortlicher Autor: Leonard Wuest Luzern, 07.01.2020, 21:31 Uhr
Presse-Ressort von: leonardwuest.en-a.ch Bericht 3601x gelesen
ürcher Kammerorchester
ürcher Kammerorchester   Bild: Pressefoyer des Zürcher Kammerorchester ZKO Sandro Diener

Luzern [ENA] ZKO, Silvesterkonzert 2019 mit Vesselina Kasarova und Richard Galliano, KKL Luzern, besucht von Léonard Wüst Schreibe eine Antwort Vesselina Kasarova (Mezzosopran) Richard Galliano (Akkordeon) Willi Zimmermann (Konzertmeister) Zürcher Kammerorchester

Eine Grande Dame der Opernszene und der Erfinder einer neuen Tango-Stilrichtung: An Silvester begeisterten die, in Zollikon am Zürichsee lebende bulgarisch – schweizerische Doppelbürgerin, Mezzosopranistin Vesselina Kasarova und der französische Akkordeonist Richard Galliano musikalisch das Publikum im sehr gut besetzten Konzertsaal des KKL in Luzern. Gemeinsam mit dem Zürcher Kammerorchester wurden Musikstücke aus unterschiedlichen Genres zu einem stimmungsvollen Ganzen zusammengetragen – von der grossen Oper über den argentinischen Tango bis zum neapolitanischen Volkslied.

Galliano, der seine Karriere erst mit dem Musettegenre lancierte, dann über den Gypsie Jazz im Stile eines Django Reinhardt, über den Tango argentino, zu eigenen aussergewöhnlichen Projekten fand, ist heute in fast allen Sparten der Musik zuhause und ein gern gesehener Gast bei Konzerten bedeutender Musiker*innen und/oder Orchestern. Also bot das Zürcher Kammerorchester auch dieses Jahr wieder ein spezielles Konzert zum Jahresabschluss, wie man sich das schon seit Jahren gewohnt ist. Und wie immer herrschte auf der Bühne eine aufgeräumte Stimmung, da scherzte der Konzertmeister schon mal mit den Solisten oder machte eine launische, von Lachen quittierte Bemerkung in Richtung seiner Mitmusiker.

Dies aber ohne je die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe, das Musizieren, zu vernachlässigen. Auch mit der Mezzosopranistin hat es was Besonderes auf sich. Vor fünf Jahren sprang Vesselina Kasarova am Silvesterkonzert des ZKO in Luzern für die vorgesehene, aber plötzlich erkrankte, Elina Garanca kurzfristig ein. Zuerst entführte uns die Mezzosopranistin ins Paris der beginnenden „Belle Epoque“ mit Jacques Offenbach`s Barcarolle aus «Hoffmanns Erzählungen» worauf sie „O del mio amato ben“ von Stefano Donaudy mit ihrem dunklen Mezzo intonierte. Unterstützt wurde sie vom tadellosen Orchester und auch Galliano liess es sich nicht nehmen, seine Solistenkollegin mit dem Akkordeon zu supportieren.

Vesselina Kasarova Foto Suzanne Schwiertz
Willi Zimmermann (Konzertmeister)
Akkordeonist Richard Galliano Foto Vincent Catala

Akkordeonspiel auf höchstem Niveau

Während bei uns die Handorgel mehr als Begleitinstrument für Gesang, z.B. beim Jodeln usw. wahrgenommen wird und, Ausnahme Schwyzerörgeli, als Soloinstrument eher ein Schattendasein fristet, ist dieses in Frankreich in der typischen Musettemusik, in Italien für die Tarantella und natürlich beim Tango in Argentinien, dort meist in Form des ähnlichen Bandoneons, schlicht nicht wegzudenken.

Das Akkordeon prägt grosse Teile der Musiktradition einiger Länder und/oder Ethnien, wie man auf dem Balkan unschwer feststellen kann. Wie das dann tönt, demonstrierte der französische Meister des „Schifferklaviers“ im Folgenden mit zwei Tangos und seiner Eigenkomposition der „Valse a Margaux“. Dann war Raum für ein Instrumentalwerk durch das Orchester, bevor Galliano mit seiner Eigenkomposition „Aria“ die Bühne zurückeroberte.

Lena Catharina Schneider, Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros der ZKO
Akkordeonist Richard Galliano
Vesselina Kasarova, Mezzosopran Foto Marco-Borggreve

Start in den 2. Konzertteil mit Bizet statt Rossini

Es ging munter weiter mit den Programmänderungen, fast wurde es ein Ratespiel, oder war es etwa gar ein versteckter Wissenstest des immer verschmitzt grinsenden Konzertmeisters Willi Zimmermann, der uns mit Bizets Arie „Habanera“ aus „Carmen“ in die Falle locken wollte, die er uns statt Gioachino Rossinis „La Danza“ auftischte? Ein bisschen zu einfach wär das wohl schon gewesen, selbst für Nicht Musikwissenschaftler.

Dann doch noch etwas korrekt programmiertes mit Rossinis „Canzonetta spagnuola“ mit der bestens aufgelegten Karasova. Darauf beglückte uns Galliano mit dem, eigentlich vor der Pause programmierten „Otono Porteno“, liess dafür den „Libertango“ weg, bekam dafür mit dem Allegro Energico aus «Opale Concerto» reichlich Gelegenheit sein aussergewöhnliches Können auf seinem angestammten Instrument zu demonstrieren.

Gallianos ganz spezielles Arbeitsgerät

Sein Instrument, das kein gewöhnliches Knopfakkordeon ist, sondern, wie Galliano einmal erklärte: Es ist eine italienische Fisarmonica, die klassisch, fast philharmonisch klingt. Ihr Gehäuse wurde von einem herkömmlichen Piano-Akkordeon übernommen, wodurch sie sich nicht nur fest an den Körper pressen, sondern auch leicht wie ein Schifferklavier spielen lässt. Ihr Ton ist sehr warm, bedingt durch die jahrelange Lagerung der Zungen. Man spürt ihren Anschlag kaum. Zudem habe ich die Verschalung abgenommen, damit es noch wohltemperierter klingt.

Witzige Zugabe

Da war ich mir nicht sicher, ob dieses Werk auch Rossini zuzuschreiben ist. Die dargebotene Interpretation sicher nicht, miaute sich die Solistin doch durch die Partitur, souverän unterstützte Galliano das musikalische „Katzengejammer“, wobei der Ausdruck Gejammer natürlich völlig fehl am Platz ist, war es doch ein höchst amüsantes Techtelmechtel zwischen Kasarovas Stimme und Gllianos Instrument. Ds gefiel auch dem Auditorium, welches die Protagonisten, natürlich inklusive dem Orchester, mit einem langanhaltenden Schlussapplaus belohnte. Einmal mehr wussten die Zürcher die Innerschweizer an Silvester bestens zu unterhalten. www.zko.ch www.leonardwuest.ch www.innerschweizonline.ch www.bochumer-zeitung.com

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