Samstag, 26.05.2018 19:49 Uhr

ZKO, Opera Box: La vie parisienne von Jacques Offenbach

Verantwortlicher Autor: Noémie Felber Zürich, 14.01.2018, 12:53 Uhr
Presse-Ressort von: leonardwuest.en-a.ch Bericht 3562x gelesen
ZKO,Opera Box: «La vie parisienne» von Jacques Offenbach
ZKO,Opera Box: «La vie parisienne» von Jacques Offenbach   Bild: Pressefoyer des ZKO, Thomas Entzeroth

Zürich [ENA] ZKO, Opera Box: «La vie parisienne» von Jacques Offenbach, 7. Januar 2018, besucht von Noémie Felber.Besetzung: Andres Joho (Musikalische Leitung)Paul Suter (Regie)Zürcher KammerorchesterMit Violetta Radomirska, Christa Fleischmann,Jeanne Pascale, Mardi Byers, Anita Monti, Barbara Hensinger u.v.m

Die Ouvertüre erklingt, der Pariser Gare de Lyon erweckt zum Leben. Es ist ein Kommen und Gehen, gehetzt und gestresst rasen verschiedenste Reisende durch die Bahnhofshalle. Keinen halben Meter daneben sitzt das Operetten-Publikum gespannt auf den Stühlen. Die Zuschauer sitzen auf der Bühne, die Darsteller und Darstellerinnen bewegen sich durch den Zuschauerraum. Eine klare Trennung gibt es nicht mehr, die Bühne ist überall. Genau das ist auch das Ziel des Programms «Opera Box»: Den Zuschauer so gut wie möglich ins Geschehnis zu integrieren. So fällt es dem Publikum nicht schwer, sich in die Handlung hineinzuversetzen und Teil der Szenerie zu werden.

Nach Paris ergiessen sich die Massen

Schon im Foyer des ZKO-Haus fühlen sich die Gäste der französischen Hauptstadt nah. Begrüsst wird das Publikum nämlich von einem Akkordeonisten, der französische Chansons zum Besten gibt. Beim Betreten des Zuschauerraums erblickt das Publikum direkt das erste Szenenbild. Eine mit der Stadt Paris bemalte Leinwand lässt alle Klischees auf kunstvolle Art auferstehen und stimmt stilvoll auf die Performance ein. Die Operette von Jacques Offenbach wurde am 31. Oktober 1866 in Paris uraufgeführt und war ein grandioser Erfolg. In der Geschichte um die beiden Lebemänner Raoul de Gardefeu und Bobinet Chicard dreht sich alles um das weibliche Geschlecht.

«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth

Als der schwedische Baron mit seiner schönen Gattin nach Paris kommt, verschwenden die beiden keine Chance, um den Adligen an der Nase herumzuführen und die noble Pariser Gesellschaft auf den Kopf zu stellen. Eifersucht, Verführung, Feste, und Liebe sind unverzichtbare Bestandteile des Pariser Leben und werden ausgiebig zelebriert. Die Stimmung ist stets fröhlich und bunt, passende Choreographien unterstützen das flatterhafte und leichte Leben. Der frivole Unterton des Stückes wird scherzhaft dargestellt und somit verharmlost. Die stimmige Inszenierung bot immer wieder Grund für herzhaftes Lachen.

«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth

Entstaubte, durchgelüftete Inszenierung

Für die Inszenierung in Zürich wurde der alte Stoff abgestaubt, neu poliert und punktet mit aktuellen politischen Anspielungen und dem Einsatz zeitgenössischer Gadgets wie beispielsweise dem Smartphone. Der ursprünglich französische Text wird bei den Liedern beibehalten, die gesprochenen Dialoge sind eine bunte Mischung aus deutsch, englisch, französisch und schwedisch. Das Bühnenbild ist eindrücklich, besonders der letzte, ganz in weiss gehaltene, Akt bleibt in Erinnerung. Der Bühnenumbau wird in die Szenerie integriert und ermöglicht gewissermassen einen Blick hinter die Kulissen

«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth

Wonne, Frohsinn herrschet da!

Während drei Stunden durfte das Publikum eine bombastische Stimmung geniessen. Die Schauspieler und Schauspielerinnen übermittelten das sorgenfreie Pariser Leben in seinem heiterem Glanz und integrierte das Publikum humorvoll in die Handlung. Auch die musikalische Untermalung durch das Orchester soll nicht aussen vor gelassen werden. Mit knapp einem Dutzend Instrumentalisten lieferten das ZKO eine aussergewöhnliche Performance und brachte Offenbachs Werk malerisch und transparent zum Klingen. Andres Joho meisterte die anspruchsvolle Aufgabe, Sänger und Orchester zu koordinieren, vorzüglich und griff zwischendurch sogar selber in die Tasten, um den Chor zu unterstützen.

«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth
«La vie parisienne», Szenenfoto von Thomas Entzeroth

Nach dem grossen Schlussapplaus begibt sich das Publikum aufgeräumt in die kalte Schweizer Nacht. Aus einigen wenigen Mündern erklingen noch Melodien wie «In dieser Stadt mit ihren Reizen», und der eine oder andere plant bestimmt schon seinen nächsten Städtetrip nach Paris.www.noemiefelber.ch www.zko.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie die www.innerschweizonline.ch Aktuelles regionales und Kultur aus dem Ruhrgebiet finden Sie auf www.bochumer-zeitung.com

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