Freitag, 17.08.2018 13:22 Uhr

Luzerner Theater,Liliom Eine Vorstadtlegende von F. Molnar

Verantwortlicher Autor: Leonard Wuest Luzern, 22.01.2018, 11:46 Uhr
Presse-Ressort von: leonardwuest.en-a.ch Bericht 3463x gelesen
Luzerner Theater,LILIOM Eine Vorstadtlegende von Ferenc Molnár,  im Bild Jakob Leo Stark
Luzerner Theater,LILIOM Eine Vorstadtlegende von Ferenc Molnár, im Bild Jakob Leo Stark  Bild: Pressefoyer des Luzerner Theaters, Ingo Hoehn

Luzern [ENA] Besetzung:Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser, Verena Lercher, Stefanie Rösner, Christian Baus, Lukas Darnstädt, Yves Wüthrich, Adrian Furrer, Michel Kopmann, Live-Musik: Luzian JennyProduktionsteam:Inszenierung: Nina Mattenklotz, Bühne: Johanna Pfau, Kostüme: Lena Hiebel, Licht: Clemens Gorzella,

«Was haben Sie Gutes auf der Erde getan?» «…» Das ist die ultimative Frage bei der finalen Abrechnung vor dem jüngsten Gericht, vor dem auch Liliom, mit viel Charisma verkörpert von Jakob Leo Stark, schlussendlich Rechenschaft ablegen muss. Dies nach einem Leben auf der sprichwörtlichen Achterbahn, hatte er doch sein Auskommen als Animateur, beim, Frau Muskat gehörenden, Ringelspiel auf dem Rummelplatz im Budapester Stadtwäldchen.

Dort war er der Star, der am meisten umworbene unter den Gauklern, Ausrufer und Schaustellern, angehimmelt von den Mädchen, frivol herausgefordert von den Damen. Als Lebemann und Macho, empfänglich für diesbezügliche, versteckte, auch offene Angebote, nutzte er die Gelegenheiten, missbilligend toleriert von seiner Arbeitgeberin, seiner ebenfalls, wenn auch heimlichen, Verehrerin.

Lilioms neue Beziehung zeitigt ungeahnte Folgen

Als sich aber bei seinem Techtelmechtel mit der aufmüpfigen Julie etwas Ernsteres anzubahnen schien, kam es zum Eklat. Frau Muskat stellte sich offen gegen die, sie demütigende, Beziehung. Dies liess sich aber der, von sich selbst eingenommene, sich für unantastbar haltende Liliom nicht bieten, stellte sich demonstrativ an die Seite von Julie, worauf er die Kündigung erhielt, somit arbeitslos wurde. Doch statt sich um eine neue Stelle zu bemühen, zog er mit seinem Kumpel Ficsur um die Häuser, durch die Strassen und Kneipen um zu saufen und zu spielen.

Einer, von Julie vorgeschlagenen, Anstellung als Hauswartpaar, verweigerte er sich ebenso, wie einer möglichen Rückkehr zum Ringelspiel. Frustriert von seinem verpfuschten Dasein, liess er die daraus entstehenden Aggressionen physisch und auch psychisch an der geduldig ertragenden Julie aus. Diese, von ihrer Freundin Marie auf Lilioms Verhalten angesprochen, spielte alles herunter, verharmloste es, liess sich nicht zu Konsequenzen, in Form einer Trennung vom Haustyrannen überzeugen.

Auch Warnungen von Hollunder (der dem Paar kostenlos Wohnraum zur Verfügung stellte), prallten an der gebeutelten, naiv verliebten Julie ab. Dramatisch wurde die Situation, als sich Julie Liliom als schwanger outete und sich in diesem so etwas wie Verantwortungsbewusstsein regte. So suchte er, in Verbund mit Kumpel Ficsur, nach einer Möglichkeit, möglichst schnell und ohne grossen Aufwand zu richtig viel Geld zu kommen, genug, um mit Julie und dem erwarteten Kind nach Amerika abzuhauen.

Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser
Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser
Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser

Starkes Spiel der Akteure

Auf der, relativ spartanisch eingerichteten Bühne, entwickelte sich das Geschehen, spitzten sich die Ereignisse dramatisch zu, interpretiert von einem grandiosen Ensemble. Die von Ferenc Molnar (1878 – 1952, eigentlich Ferenc Neumann), verfasste und autobiografisch geprägte Parabel, lässt sich ohne Modernisierung der Charaktere, wie von Regisseurin Nina Mattenklotz demonstriert, eins zu eins auch in die heutige Zeit transponieren, wo jede Art von Gewalt, von unserer, scheinbar teflonbeschichteten Gesellschaft, nicht, oder unbeteiligt zur Kenntnis genommen, an Gleichgültigkeit abprallt oder absorbiert wird.

Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser
Jakob Leo Stark
Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Wiebke Kayser

Etwas zu viele Längen in einigen Szenen

Wenn die Regisseurin jetzt noch einige Längen eliminiert und die Inszenierung etwas strafft, kann das Stück nur gewinnen, ohne Tiefgang zu verlieren. Das ist ohne Qualitätsverlust durchaus möglich. Gut, wusste die grandiose Wiebke Kayser als Julie, die angesprochenen Längen mit ihrem intensiven Spiel, ihren Bewegungen, Gestik und Mimik zu überbrücken, sonst hätte die Inszenierung kippen können.

Lilioms himmlische Begegnung

Grandios dann auch Liliom Jakob Leo Stark, der, nachdem er sich unmittelbar nach einem missglückten Raubüberfall (ausgeführt zusammen mit Fiscur), das Leben genommen hatte, vor dem höchsten Richter verantworten musste. Dies unter der dem, für diese Szene aktualisierten Bühnenbild, mit der Neonüberschrift „Gott ist gerecht“. Es entwickelte sich ein skurriler, manchmal auch ironisch witziger Dialog zwischen Gott und Liliom, der sich auch in dieser Umgebung vorlaut und aufmüpfig präsentierte.

Grandios dann auch Liliom Jakob Leo Stark, der, nachdem er sich unmittelbar nach einem missglückten Raubüberfall (ausgeführt zusammen mit Fiscur), das Leben genommen hatte, vor dem höchsten Richter verantworten musste. Dies unter der dem, für diese Szene aktualisierten Bühnenbild, mit der Neonüberschrift „Gott ist gerecht“. Es entwickelte sich ein skurriler, manchmal auch ironisch witziger Dialog zwischen Gott und Liliom, der sich auch in dieser Umgebung vorlaut und aufmüpfig präsentierte.

Da sie ihm auf diese und andere Fragen keine ausreichenden Antworten gibt, oder geben kann, fällt er wieder in sein gewohntes Verhaltensmuster zurück und schlägt sie. So schliesst sich der Kreis von häuslicher Gewalt, den offensichtlich, fatalerweise, auch seine Tochter als gegeben empfindet und widerspruchslos hinnimmt, ihn (Liliom) gar noch verteidigt, wie dies schon ihre Mutter getan hatte.

Stimmungsvolle Musikbegleitung

Sehr gut auch die musikalische Dauerbegleitung von Luzian Jenny am Akkordeon, der das Geschehen mal mit Musette ähnlichen, von Paris angehauchten, mal mit sizilianisch und/oder sardisch klingenden Melodien untermalte. Da konnte es sich Christian Baus (Ficsur) nicht verkneifen, den Klassiker „Dimmi quando, sag mir wann“ mitzusingen. Dass Auditorium spendete langanhaltenden Applaus, würdigte besonders die Parforceleistung der beiden Hauptakteure Wiebke Kayser und Jakob Leo Stark. .www.luzernertheater.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie die www.innerschweizonline.ch Für Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet die www.bochumer-zeitung.com

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