Freitag, 17.08.2018 13:22 Uhr

Luzerner Theater, Falstaff, Oper von Giuseppe Verdi

Verantwortlicher Autor: Noémie Felber Luzern, 02.02.2018, 08:00 Uhr
Presse-Ressort von: leonardwuest.en-a.ch Bericht 4303x gelesen
Falstaff,Claudio Otteli, , Luzerner Theater
Falstaff,Claudio Otteli, , Luzerner Theater  Bild: Pressefoyer des Luzerner Theaters, Ingo Hoehn

Luzern [ENA] Produktionsteam: Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Benedikt von Peter Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Ulrike Scheiderer Licht: David Hedinger-Wohnlich Choreinstudierung: Mark Daver Dramaturgie: Brigitte HeusingerOpernensemble des LT Chor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Der moderne Ritter erscheint nicht auf Pferd, sondern zu Fuss. Er ist auch nicht mit Waffe und Fahne ausgestattet, sondern mit Kissen und Decke, um es sich gemütlich zu machen. Die Besucher der «Falstaff»-Premiere im Luzerner Theater werden Zeuge, wie ein komplett ausgerüsteter Ritter die Wohnung des verreisten Paares Trudi und Reto komplett für sich in Beschlag nimmt. Schnell wird allen klar: Dies ist wahrhaftig eine komische Oper. Und tatsächlich sorgt Sir John Falstaff immer wieder für Lacher im Zuschauerraum.

Ode an das Chaos

Falstaff ist ein Frauenheld, ein Flegel und ein Lüstling. Dem tugendhaften Windsor kommt dieser Eindringling überhaupt nicht gelegen. Als er seinen beiden Angebeteten denselben Liebesbrief zustellen lässt, ist das Bedürfnis nach Züchtigung bei allen Bewohnern geweckt: Der schandhafte Unruhestifter muss bestraft werden! Die Unordnung, verkörpert durch die Hauptfigur, wird auf der Bühne richtiggehend zelebriert.

Falstaff landet in einer fremden Wohnung, einer Kneipe und sogar in der Themse. Er schmeisst Salatblätter, Bierdosen und Geld umher. Seine Schandtaten machen ihn zum Opfer von Verurteilungen verschiedener Mitspieler. Als Falstaff sich zum Schluss des Stückes seiner gerechten Strafe gegenübersieht, stellt sich dem Zuschauer jedoch die Frage: Ist er wirklich die einzige böse Figur in Windsor?

Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn

Zuschauerraum oder Bühne?

Komponiert im Alter von 80 Jahren ist «Falstaff» Giuseppe Verdis einzige erfolgreiche Opera buffa und zugleich sein letztes Bühnenwerk. Das Libretto von Arrigo Boito wurde von Shakespeares «Die lustigen Weiber von Windsor» und «Heinrich IV» inspiriert. Die zweite musikalische Komödie aus Verdis Feder wurde 1893 in Mailand uraufgeführt und mit einer geschlagenen Stunde Schlussapplaus belohnt. Die italienische Oper wird in ihrer ursprünglichen Sprache aufgeführt.

Die eingeblendeten und teils auch sehr unterhaltsamen Übersetzungen oberhalb der Bühne ermöglichen ein genaues Verstehen der Handlung. Da sich auch Falstaff immer wieder im Auditorium tummelt und sich durch die Reihen schlängelt, werden Live-Aufnahmen des Charakters auf vier Bildschirme übertragen. So verpasst kein Zuschauer die essentiellen Handlungen des Protagonisten.

Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff Szenenfoto von Ingo Hoehn
Falstaff,Claudio Otteli, mit Intendant und Regisseur Benedikt von Peter

Bravissimo!

Intendant und Regisseur Benedikt von Peter setzt den Protagonisten den Blicken des Publikums aus. Bis auf die letzten paar Minuten befindet sich Falstaff komplett alleine auf der Bühne. Die restlichen Bürger Windsors mischen sich vom Zuschauerraum her in das Geschehen ein. Mit schleierähnlichen Kopfbedeckungen versehen, umgibt die Nebenfiguren eine Anonymität und soll die Allgemeingültigkeit der Handlung verkörpern. Die Musik besteht anstelle von Arien und Duetten hauptsächlich aus Melodiefetzen, vermissen tut man aber nichts. Dirigiert von Clemens Heil schuf das Luzerner Sinfonieorchester einen klangmalerischen Teppich und eine Stütze für die Sängerinnen und Sänger.

Claudio Otelli liefert in der Rolle der Hauptfigur eine starke Leistung und kann das Publikum als einzigen omnipräsenten Charakter den ganzen Abend in seinen Bann ziehen. Unterstützt wird er dabei durch weitere gesanglich auf ganzer Linie überzeugende Solisten. Besonders beeindruckend ist dabei deren schauspielerische Leistung, die aufgrund ihrer Maskierung und Absenz von der Bühne stark erschwert wurde. Ebenfalls eine hervorragende Leistung erbrachte der Chor des Luzerner Theaters. Den langanhaltenden Schlussapplaus der Uraufführung konnte das Luzerner Publikum leider nicht bieten.

. Nach der Premiere gab es allerdings zahlreiche Stimmen im Treppenhaus, die sowohl die Inszenierung als auch die Darsteller lobten. Lorbeeren haben sich die Beteiligten allemal verdient. Speziell hervorheben sollte man allerdings auch die Putzequipe, die hinter Falstaff herräumen muss und die Bühne noch bis Juni 2018 sauber hält. www.luzernertheater.ch www.noemiefelber.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie die Seite www.innerschweizonline.ch Aktuelles regionales und Kultir aus dem Ruhrgebiet finden Sie auf www.bochumer-zeitung.com

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.