Donnerstag, 18.07.2019 09:44 Uhr

Luzerner Theater, Don Giovanni Oper von W. A. Mozart

Verantwortlicher Autor: Léonard Wüst Luzern, 23.06.2019, 13:57 Uhr
Presse-Ressort von: leonardwuest.en-a.ch Bericht 4135x gelesen
Leporelle, Vuyani Mlinde
Leporelle, Vuyani Mlinde   Bild: Ingo Hoehn, Luzerner Theater

Luzern [ENA] Luzerner Theater Don Giovanni von Léonard Wüst Musik. Leitung William Kelley, Regie Benedikt von Peter Vuyani Mlinde Jason Cox Rebecca Krynski Cox Emanuel Heitz Boris Petronje Solenn Lavanant Linke Flurin Caduff Diana Schnürpel Chor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Don Giovanni existiert nicht, er ist bloss die personifizierte Lust und Begierde, die in jedem von uns schlummert und uns ab und an zu Voyeuren mutieren lässt. Dies macht uns Regisseur Benedikt von Peter weis, indem er diesen Verführer gar nie auf die Bühne lässt. «Don Giovanni ist als Prinzip und in seiner Radikalität eine Sehnsuchtsfigur, ein Versprechen, anders zu leben, anders zu lieben.» so Benedikt von Peter.

Oder lackmeiert uns die Inszenierung gar doppelt, ist es doch so, dass in der Astronomie gewisse grosse Himmelskörper auch nur nachweisbar sind, indem man die Umlaufbahnen anderer Planeten beobachtet und daraus schliesst, dass diese Bahnen von einem grösseren Planeten bestimmt sind, dessen Anziehungskraft die Ellipsen und Geschwindigkeiten der Rotationen bestimmt und so im Gleichgewicht hält, dass sie nicht auf ihn stürzen. Bei Da Ponte und Mozart sind diese Trabanten Donna Elvira, Donna Anna, Zerlina, Masetto usw. und die Gravitation des Gestirns Don Giovannis ist zu gross, lässt seine Trabanten ins Strudeln kommen und schliesslich abstürzen.

Benedikt von Peter Inszenierung
Jason Cox (Don Giovanni)
William Kelley Dirigent

Aufgrund Abwesenheit umso präsenter

Diese Implosion wird vom Librettisten Lorenzo Da Ponte und vom Komponisten W.A. Mozart dramaturgisch verstörend spannend chronologisiert und vom Ensemble des Luzerner Theaters grandios und ungewöhnlich umgesetzt. Indem am Luzerner Theater der Regisseur den Verführer nicht sichtbar macht, ist dieser umso präsenter. Da sind: Donna Anna, die Tochter des Komturs, die er zu verführen versucht und deren Vater er im Zweikampf tötet,( Don Giovannis Gegenspieler,der Komtur, der Inbegriff von Sitte und Gerechtigkeit). Da sind Donna Elvira, die er verlassen hat und die zwischen Liebe und Haß schwankt. Zerline, ein junges Bauernmädchen vom Lande, das seiner Werbung fast erliegt.

Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn
Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn
Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn

Ruchloser Verführer ohne Verantwortungsgefühl

Don Giovanni verkörpert eine Naturgewalt ohne Empfinden für Moral und Verantwortung. Sein Lebensziel ist es, dasjenige weibliche Wesen zu erobern, in das er momentan verliebt ist. Aber sie alle, inklusive Anhang folgen der Einladung des Sevillaners zu einem Festmahl in seinen Gemächern. So äugen wir zum Beispiel durch das, auf eine grosse Leinwand auf der Bühne projizierte Geäst eines Baumes und beobachten fasziniert das unmoralische, sitten – und zügellose Treiben des Unsichtbaren mit seinen diversen Damen, neiden ihm seine üppigen Fress- und Sauforgien, amüsieren uns schadenfreudig über die betrogenen, mit ihrem Schicksal hadernden und auf Rache sinnenden Ehemänner.

Aber selbst diese sind auf eine fatale Weise gepackt vom Geschehen, lassen sich gar hinreissen, bei Orgien mitzumachen. Um sich der Rache zu entziehen und unbemerkt unterzutauchen, zwingt Giovanni seinen Diener, sich zu verkleiden und seine Rolle zu übernehmen, was dieser zuerst widerwillig, mit der Zeit aber sogar, den Damen sei Dank, freudig tut. Als es der skrupellose Verführer aber zu weit treibt und überheblich das steinerne Grabdenkmal des von ihm ermordeten Komturs vom Friedhof zum Gastmahl einlädt und den Ruf zur Buße und Reue mit 3-maligem "Nein" zurückweist, verschlingen ihn die Flammen der Hölle.

Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn
Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn
Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn

Aber da war doch noch was

Ja klar, Mozarts wunderbare Musik, akzentuiert interpretiert vom Luzerner Sinfonieorchester und Valeria Polunina am Hammerflügel, unter der Leitung von Wiliam Kelley, deren Beachtung, aufgrund des spannenden Geschehens auf der Bühne, etwas in den Hintergrund gedrängt wurde, aber ebenso viel zu dieser Weltklasseperformance beigetragen hat, wie das Agieren und Singen der Darsteller, die Gestaltung des Bühnenbildes von Katrin Wittig und die Videos von Bert Zander.

Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn
Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn
Don Giovanni Szenenfoto von Ingo Hoehn

Und dann war er doch noch da auf der Bühne

Den Spiegel auf so amüsante Art vorgehalten zu bekommen, lässt man sich doch gerne gefallen, meinte das gutgelaunte Publikum im praktisch vollen Theatersaal und belohnte das Ensemble mit einem stürmischen Schlussapplaus, gefolgt von einer langen stehenden Ovation, wozu er dann doch noch auf der Bühne zu sehen war, der Don Giovanni, respektive sein Nichtdarsteller Jason Cox. www.luzernertheater.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie www.innerschweizonline.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet die www.bochumer-zeitung.com Trailer der Produktion: https://vimeo.com/312096306#at=9

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