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Keine Figuren auf der Bühne zeigen, sondern Menschen“

Verantwortlicher Autor: Bregenzer Festspiele Barbara Hingsamer Bregenz, 06.08.2018, 18:10 Uhr
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Das Jagdgewehr und  Der Barbier von Sevilla Foto
Das Jagdgewehr und Der Barbier von Sevilla Foto   Bild: Pressefoyer Bregenzer Festspiele Anja Koehler

Bregenz [ENA] "Das Jagdgewehr" und "Der Barbier von Sevilla" / Pressetag II Anlässlich des vor Kurzem zu Ende gegangenen Pressetages II informierten sich Medienvertreter aus dem In- und Ausland über zwei außergewöhnliche Musiktheater-Ereignisse zum Abschluss der 73. Bregenzer Festspiele.

Nach einem Einblick in die Proben zu Das Jagdgewehr gab es eine Pressekonferenz mit Intendantin Elisabeth Sobotka sowie zahlreichen Künstlern, die auch an Der Barbier von Sevilla, der zweiten Musiktheater-Premiere der finalen Festspielwoche, beteiligt sind. Weiteres Thema war die Zwischenbilanz dieser Festspiel-Saison. Das Jagdgewehr Bei Das Jagdgewehr fallen mehrere Premieren zusammen. Es handelt sich um eine Auftragskomposition, die zur Uraufführung gelangt. Für den Komponisten Thomas Larcher ist es die erste Oper. Gleiches gilt für den Schauspieler, Drehbuchautor und Filmemacher Karl Markovics am Regiepult. Elisabeth Sobotka betonte mit Blick auf diesen zeitgenössischen Stoff die „Notwendigkeit, die Lebendigkeit der Oper zu erhalten“.

Markovics ist auch im Opernfach, wie der Probenbesuch zeigte, ein souveräner Regisseur. Beim Wechsel von der letzten zur ersten Szene des Stücks fand er Zeit, die Journalisten mit einem Lächeln zu begrüßen: „Schön, dass Sie unsere Probe spannend finden.“ Bei der Pressekonferenz sprach er von einem „unheimlichen Geschenk, bei dem Entstehungsprozess einer Oper dabei sein zu dürfen. Ich habe so etwas noch nie gemacht – das ist genau das, was ich mir erhofft habe.“ Er wolle keine Figuren auf der Bühne zeigen, sondern Menschen.

Wie heute bekannt wurde, erhält Komponist Thomas Larcher den Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien. Der mit einem Husten leicht angeschlagene Tiroler empfindet seine momentane Rolle in der Probenphase „mehr als Genesungsurlaub denn als Arbeit“. Er zeigte sich sehr erleichtert, sich mit der Intendantin, dem Regisseur sowie dem Dirigenten Michael Boder auf „starke Säulen“ stützen und verlassen zu können. Boder ist die Zugänglichkeit des komplexen Stoffes, der auf der Novelle des japanischen Autors Yasushi Inoue aus dem Jahr 1949 beruht, wichtig: „Wir müssen in dem, was wir vorstellen, so klar sein, dass es der Zuschauer beim einmaligen Hören begreift.“

Markovics weiß, dass diese Produktion die Sänger und Sängerinnen vor große Herausforderungen stellt. Besonders gilt das für Robin Tritschler, der anstelle des kurzfristig erkrankten Mark Padmore die Rolle des Dichters interpretiert. „Die Zeit war tatsächlich sehr knapp. Ich habe die Rolle praktisch im Flugzeug auf dem Weg von und nach New York gelernt“, sagt Tritschler. „Das nächste Mal nimmst du einfach das Schiff“, warf Markovics lachend ein.

Der Barbier von Sevilla

Die „energiegeladene Probenzeit“, von der die Intendantin sprach, bezog sich auch auf Der Barbier von Sevilla, den heuer Brigitte Fassbaender inszeniert. Sie ist seit der Gründung des Opernstudios 2015 als Gesangspädagogin dabei. Seitdem hat sie mit einer Meisterklasse junge Sängerinnen und Sänger auf ihre Rollen im Speziellen und auf eine Solistenkarriere im Allgemeinen vorbereitet. Das Werk Rossinis ist der renommierten Sängerin vertraut, der Barbier ist für sie gleichwohl eine Premiere, die sie sich mit ihrer „jungen begabten Riege“ erarbeitet.

So kann sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen, kennt aber auch mögliche Hürden: „Komödie ist das Schwerste. Wenn man dann noch komisch sein will, ist es aus. Man darf nichts ernster nehmen als die Komödie“, sagt sie. Svetlina Stoyanova singt die Rosina. „Ich bin extrem dankbar für diese Traumrolle und für die Möglichkeit, mit diesem großartigen Team zu arbeiten“, erklärte sie. Besonders gefalle ihr die individuelle Ansprache Fassbaenders für jeden Einzelnen. Die Regisseurin freut sich auf die weitere Vorbereitung und die Vorstellungen: „Die Premiere ist kein Endergebnis. Dann geht es erst richtig los.“

Carmen 2018 / Zwischenbilanz

Mit der 14. Carmen-Vorstellung am heutigen Freitagabend werden voraussichtlich rund 91.000 Besucher die Inszenierung von Kasper Holten erlebt haben (ohne Generalprobe und crossculture night). Alle bisherigen Aufführungen waren ausverkauft. Für die verbleibenden 15 von insgesamt 29 Vorstellungen stehen ab 15. August noch vereinzelt Restkarten zur Verfügung. Bislang gab es eine Regenabsage. „Carmen ist heuer noch eine Spur spannender geworden, das Team ist zusammengewachsen“, freute sich Sobotka.

Auch die Resonanz des Publikums auf „die beiden Kleinode“ (Sobotka) – María de Buenos Aires und Böhm – war sehr positiv: Zu einer ausverkauften María de Buenos Aires strömten an zwei Abenden 780 Besucher auf die Werkstattbühne. Das Schauspiel Böhm verfolgten 938 Besucher (Auslastung: 97 Prozent). Die Oper im Festspielhaus Beatrice Cenci sahen an drei Terminen bei einer Auslastung von 89 Prozent insgesamt 4.137 Besucher. Das Jagdgewehr von Thomas Larcher (Regie: Karl Markovics) feiert seine Uraufführung am 15. August, weitere Vorstellungen gibt es am 17. und 18. August auf der Werkstattbühne.

Das Opernstudio unter der Leitung von Brigitte Fassbaender zeigt Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla erstmals am 13. August. Weitere Termine: 14., 16. und 18. August, jeweils im Theater am Kornmarkt. www.bregenzerfestspiele.com/ www.leonardwuest.ch Für Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie diewww.innerschweizonline.ch Für Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet besuchen Sie die www.bochumer-zeitung.com

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