Sonntag, 24.09.2017 21:20 Uhr

Blue Balls Festival 2017, Patti Smith im KKL in Luzern

Verantwortlicher Autor: Léonard Wüst Luzern, 03.08.2017, 07:39 Uhr
Presse-Ressort von: leonardwuest.en-a.ch Bericht 3833x gelesen
Patty Smith in Concert
Patty Smith in Concert  Bild: Blueballs Festival Luzern, Pressefoyer Patty Picture Alliance

Luzern [ENA] Blue Balls Festival 17, Patti Smith, 27. Juli, besucht von Léonard WüstDie 1946 in Chicago geborene Singer/Songwriterin, eine Ikone der „Flower Power Generation“, erstaunt immer wieder durch ihre Wandlungsfähigkeit und dem Erforschen neuer Musikwelten.

Ebenso mit dem unermüdlichen Vorwärts in ihrem Schaffen, dem Ausloten des Machbaren, sowie dem unerschrockene Anpacken neuer Herausforderungen. Trotzdem gilt sie noch immer als „Godmother of Punk“, obwohl sie nie wirklich in diesem Genre zuhause war. Sie kam, wie die meisten der damaligen amerikanischen Sängerinnen, vom Folk/Protestsong her, war aber immer schon vielfältig künstlerisch unterwegs, veröffentlichte u.a. Poesie in Zeitschriften, malte und fotografierte. Nach eigenen Aussagen war für sie das Singen vor allem eine Möglichkeit, ihre Gedichte vorzutragen, sie sei „zufällig“ in der Musik gelandet.

Sie selber sieht sich in erster Linie als Lyrikerin, schreibt auch heute noch diszipliniert täglich. Auch war und ist Patti Smith eine Ikone der neuen Frauenbewegung. Umweltaktivistin und Kämpferin für Menschenrechte, wie viele Künstlerinnen ihrer Generation ( Joan Baez, Jane Fonda usw.) Trotzdem ist sie seit den 1970er Jahren bis heute regelmässig in den Charts anzutreffen, ihre Konzerte weltweit ausverkauft. Sie vermag auch junge Leute zu begeistern, die reiferen sind ihr seit Jahrzehnten treu.

Sängerin die ohne Stimme eine Weltkarriere macht

Patti Smith verfügt über keine unverwechselbare Stimme, wie etwa Joan Baez, Janis Joplin oder Marianne Faithfull usw. Auch wenn sie einen Song der Beatles coverte, wie z.B. „Within You Without You“, oder von Jimi Hendrix mit „Hey Joe“ kam sie auch nur annähernd an das „Original heran, wie das etwa Melanie mit dem Stones Hit Ruby Tuesday und Joe Cocker mit „With a little help from my friends“ von den Beatles, oder mit „As Tears Go By“ von den Rolling Stones gelungen war.

Es erstaunt umso mehr, dass einige ihrer Songs weit vorne in den Charts waren. Von 1978 mit „Easter“ bis 2012 mit „Banga“. So war und ist es ihr Charisma und die Bühnenpräsenz die ihr Renommee ausmachen, auch die Aura der Unantastbaren, als Teil der „Aufbruch Generation“ der 1968er, der friedlichen Rebellen, die Blumen streuten, statt Molotowcocktails warfen und Mülltonnnen in Brand steckten.

Banga, Buch von Patti Smith
Patti Smith Foto Jesse Ditmar
M Train, Buch von Patti Smith

Auftakt in ein Konzert der eher besinnlichen Art

Mit zehn Minuten Verspätung begrüsste Festivaldirektor Urs Leierer das Auditorium und schon kamen der Schlagzeuger, der Bassist und der Gitarrist auf die Bühne, gefolgt von Patti Smith, die zu Beginn ein paar Worte an das Publikum richtete(«It’s so quiet», wunderte sich Patti Smith zu Beginn des Konzertes. Und als der Rockpegel im zweiten Teil stieg, machte sie mittels Gesten deutlich: Steht auf, kommt nach vorn, seid Teil des Ganzen und dann startete sie mit „Wing“ bewegte sich dazu wie anno dazumal, besonders zum eingeflochtenen kurzen Gitarrensolo.

Zu jedem der folgenden Songs, gab sie ein kurzes Statement ab, mal, wann, zu welchem Ereignis, oder für wen der Song geschrieben wurde, Sachen, die Fans in ihrem Alter natürlich schon wussten, aber trotzdem bejubelten. Das dritte Lied war dann mit Ghost dance - We shall live again eines aus der Reihe ihrer Protestsongs, wozu sie sich ihre Akustikgitarre umschnallte. Die Playlist, gut gemixt zusammengesetzt, umfasste Songs quer durch die Jahrzehnte. Von ihrem Debutalbum «Horses» (1975), das auf der Jubiläumstour 2015 Hauptthema war, spielte sie nur gerade den Hit «Gloria».

Weitere frühere Renner waren «Pissin’ In A River» (1976), «Because The Night» (1978) oder «Dancing Barfoot» (1979). Mehrere Tracks stammen von den Alben «Trampin» (2004) und «Gone Again» (1996). Besinnlicher wurde es mit «Mothers of the Disappeared», den sie erstmals öffentlich interpretierte inspiriert von einer Zeitungsmeldung über ein vom IS befreites und traumatisiertes Kind , ein gecoverter Song von U2, gewidmet allen Müttern, deren Kinder verschleppt oder ermordet wurden wie damals in Argentinien, Nicaragua oder El Salvador.

Patti Smith mit Sohn und Gitarrist Jackson Smith
Patti Smith
Tony Shanahan, Bass & Piano

Bei Patti Smith steht nicht Musik, die Poesie im Vordergrund

Denn das Einzigartige ist nicht in erster Linie die Musik, die bei aller Erhabenheit, die zumal den tosenden Zornesstürmen wie "Pissing in a River" und "Gloria" eigen ist, bisweilen nicht vergessen lässt, dass sie in die Jahre gekommen ist. Das Einzigartige ist Patti Smiths Präsenz. Mit 71 ist sie unverändert sexy; ihr rauer Charme - immer schon eine seltsam transzendente Wut, aufgehoben in radikaler Ruhe in sich selbst - hat, wenn überhaupt, mit der Zeit nur gewonnen.

Später stellte die Künstlerin die Bandmitglieder vor, die da waren: Tony Shanahan, Bass & Piano, Jackson Smith, Sologitarre, Seb Rochford aus London, Schlagzeug. Bei Jackson Smith aus Detroit handelt es sich um ihren Sohn, wie sie, ganz stolze Mama die in New York lebe, erläuterte. Gegen Schluss mit «Beneath the Night» und «Gloria» ins rockige, fast in eine Jam Session wechselnde Performance, gefeiert von einem stehend mitfeiernden Publikum.

Tony Shanahan am Piano c Ebet Roberts, Getty Images
Patti Smith mit Sohn und Gitarrist Jackson Smith c Paul Warner Getty Images
Seb Rochford, Schlagzeug

Stimmung wie an Open Air Happening aus derFlower Power Zeit

Schon lange vor dem letzten Song standen, klatschten und tanzten alle im fast ausverkauften Konzertsaal, eine beachtliche Anzahl davon hüpften gar vor der Bühne, wie an einem Open Air Happening. Als Zugabe gabs dann noch „People Have The Power“ und eine fast nicht enden wollende stehende Ovation des begeisterten Auditoriums, das einmal mehr der fast Schamaninnen artig wirkenden Ikone Patti Smith zu Füssen stand und jubelte.

Andere Stimmen zu Patti Smith

Auf der Bühne, als Musikerin ist Patti Smith sanfter geworden mit den Jahren, doch nicht weniger eindringlich. Ihr waffenloser Aufruf ‚People have the Power‘, den sie bei ihren Auftritten nie weglässt, ist nicht Schlachtengesang, vielmehr die Hymne für einen Wunsch, der ihrer tiefen Religiosität entspringt, zu der sie sich seit den frühen Jahren in ihren Auftritten bekennt. Sängerin, Frontfrau, Performerin, Mystikerin, Dichterin, Malerin, Fotografin – Bilder-Macherin im schönsten Sinn des Wortes, das ist Patti Smith. Es gibt keine wie sie in unserer Gegenwart, sorgsame Sammlerin und Bewahrerin im Reich der Toten und der Lebenden, Begleiterin in der Wirklichkeit und in den Träumen.“ (Rose-Marie Gropp in der „FAZ“).

Zitat Jan Küveler (welt.de): Mit seltsam transzendenter Wut: Die Punk-Ikone Patti Smith beweist, dass man in Würde altern kann. Zitat der Veranstalter (blueballs.ch) Das TIME Magazin zählt die Rock-Ikone der 70er Jahre zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Gegenwart. Kurz vor ihrem 70. Geburtstag trug Patti Smith bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm Bob Dylans Song „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ vor, und ihr herzergreifender Vortrag ist mittlerweile legendär – das Abbrechen, das neue Ansetzen, „ich hatte nicht den Text vergessen, den ich völlig verinnerlicht habe.

Ich war einfach unfähig, ihn zutage zu fördern“, schrieb sie in einem Essay im „New Yorker“. www.blueballs.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie www.innerschweizonline.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet die www.bochumer-zeitung.com

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