Samstag, 29.02.2020 01:14 Uhr

Bayreuther Festspiele, Das Rheingold, 7. 8. 2016

Verantwortlicher Autor: Leonard Wuest Bayreuth, 22.12.2019, 11:33 Uhr
Presse-Ressort von: leonardwuest.en-a.ch Bericht 3452x gelesen
ayreuther Festspiele 2016 Rheingold Szenenfoto
ayreuther Festspiele 2016 Rheingold Szenenfoto   Bild: Pressefoyer Bayreuther Festspiele Enrico Nawrath

Bayreuth [ENA] Musikalische Leitung Marek Janowski Regie Frank Castorf Bühne Aleksandar Denić Kostüme Adriana Braga Peretzki Licht Rainer CasperVideo Andreas Deinert Jens CrullWotan Iain Paterson Donner Markus Eiche Froh Tansel Akzeybek Loge Roberto Saccà Fricka Sarah Connolly Freia Caroline Wenborne

Grundsätzliches: Das Festspielhaus verfügt über 1974 Sitzplätze, ist über 40 Meter hoch, mit einem Bühnenausschnitt von 12 x 12 Metern, dazu kommt noch eine 12 Meter hohe Unterbühne. Es sind zeitweise bis zu 80 Bühnenarbeiter im Einsatz. Der Raum ist architektonisch so konzipiert, mit den drei Proszenien, den seitlich versetzten Säulen, den ansteigenden Sitzreihen usw., dass er wie ein schwingender Geigenkasten wirkt, was die weltweit einmalige Akustik ausmacht. Die Obermaschinerie, über der bis zu 24 Meter hohen Bühne, beherbergt den sogenannten Bayreuther Schnürboden, mit dem sich tonnenschwere Bühnenelemente auf die Bühne abseilen lassen.

Eine ausgeklügelte Konstruktion, deren Funktion laufend erweitert, verbessert und verfeinert wird. Die Orchesterproben vor den Festspielen finden praktischerweise im Festspielrestaurant statt, da man dieses ja erst mit Beginn der Festspiele braucht. Auftakt: Das Werk beginnt mit einem etwa vierminütigen Vorspiel (136 Takte), in dem sich aus einem tiefen Es-Dur-Akkord Themen des wogenden Rheins entwickeln. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung, in der zunächst die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde auftreten. Diese sind naive Naturwesen, die einen zauberhaften Schatz besitzen und in der Tiefe des Flusses hüten – das Rheingold.

Ein tätowierter Altrocker (Wotan) trifft auf drei Hollywood Blondinen (die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde), die das Rheingold hüten. Dies im „Golden Motel“ in einer der Poollandschaft, eine Grillparty zelebrierend. Regisseur Frank Castorf bringt „American Graffiti“ auf den grünen Hügel, sehr gewagt und vor allem äusserst anspruchsvoll und anstrengend. Castorf verschachtelt sehr viel, die unterschiedlichen Handlungen laufen teilweise gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen. Die Live Projektionen auf eine Leinwand über der Bühne verwirren zusätzlich. Mehrere Kameramänner filmen auf der Bühne, in die Handlung integriert, was natürlich Ansichten aus den verschiedensten Perspektiven ermöglicht.

Durch diese, fast Überinszenierung, verkommt das eigentlich Wesentliche, Wagners Musik, fast zur Nebensache. Dass alle Rollen sehr gut besetzt sind und das Festspielorchester unter der Leitung von Marek Janowski Musik vom Feinsten zelebriert, ist in Bayreuth ja völlig klar, ich werde deshalb nicht auf die diversen Charaktere eingehen, sondern beschränke mich auf den Rahmen dieser Inszenierung. Da bleibt noch Zeit, einen von einer Rockergang inszenierten Tankstellenüberfall einzufügen, die Gier des Menschen nach dem Schatz, dem Reichtum symbolisierend. Alberich erobert sich schlussendlich den begehrten Ring des Nibelungen, der nur Unheil bringen soll.

Auch lässt er sich vom Schmiede eine Tarnkappe anfertigen, die ihn unsichtbar macht, so er den Häschern entkommen kann. Zusammen mit Loge macht sich Wotan auf den Weg nach Nibelheim, in die Tiefe der Erde, und es gelingt ihnen durch List, Alberich den Nibelungenschatz samt dem Tarnhelm und Ring (dem Schlüssel zu Macht und Reichtum) abzunehmen, worauf Alberich den Schatz und den Ring verflucht. (Zitat Alberich: „Wer ihn besitzt, den sehre die Sorge, und wer ihn nicht hat, den nage der Neid“). Dem Festspielpublikum schien das Ganze, im Gegensatz zu früheren Castorf Inszenierungen, zu gefallen. Zur Musik, respektive dem Dirigat: Es gab schon ein paar Wackler aufgrund der speziellen Akustik im Festspielhaus.

Brav bei den Einsätzen, vieles klingt da wohl durchdacht und sauber, fast zu Lehrbuchhaft. Marek Janowski erwies sich als ausgewiesener Kenner der Partitur, leider zu grundsolide. Bleibt zu hoffen, dass sich im weiteren Verlauf des Rings noch etwas ändert und er das Orchester aktiver voranreibt. Trotzdem bekam der Dirigent den größten Beifall. www.bayreuther-festspiele.de www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie die www.innerschweizonline.ch Aktuelles regionales und Kultur aus dem Ruhrgebiet finden Sie auf www.bochumer-zeitung.com

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.